... und Bücher sollten gute Geschichten erzählen

Bücher aus der Text-Werkstatt

Eigentlich war ich nie ein Buchautor. 

 

Ich wurde zum Journalisten für Tageszeitungen ausgebildet. Das war viele Jahre mein Leben. Dinge geschehen, Dinge werden veröffentlicht. Weil sie relevant sind, weil sie von Interesse sind, weil Menschen sie wissen sollten. Vormittags sind die Schreibtische voll und die Köpfe leer. Nachmittags ist beides voll. Und dann erscheint die Zeitung. So wird das gemacht. Wenn Andere die Zeitung lesen, machen wir bereits eine neue. Mit erneut vollen  Schreibtischen und leeren Köpfen. So geht das. Tagein, Tagaus. 

 

Es ist bisweilen eine bittere Erkenntnis, dass eigentlich alles, was Journalisten von Tageszeitungen aus Buchstaben zu Worten und aus Worten zu Sätzen und aus Sätzen zu Artikeln, Reportagen, Kommentaren und Dossiers aneinanderreihen, eigentlich nur erschaffen wird, damit es postwendend den Weg in den Papiermüll findet. Das ist jedoch nur vorübergehend bitter. Gerettet hat mich dabei stets die Überzeugung, dass vielleicht das Eine oder Andere in den Köpfen derer bleibt, die gelesen haben, war wir Journalisten so zum Lesen vorsetzen. 

 

Ein Buch zu schreiben, ist eine ganz andere Aufgabenstellung. Ich hatte das nie wirklich vor und ich muss sagen, ich kam zum Buchschreiben wie die Jungfrau zum Kind.

 

Weil das so ist, wurde daraus die spannendste Geschichte meines Lebens...

 

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Über das Everest-Buch 

Als ich zum ersten Mal im Rahmen einer Expedition in das Basislager des Mount Everest kam, hätte ich es niemals für möglich gehalten, dass ich jemals ein Buch über den höchsten Berg der Erde schreiben würde. 

Dass ich es dennoch tat, lag vor allem daran, dass mir auf dem Weg von Bruneck nach Sand in Taufers in Südtirol, der Gedanke kam, man müsse einmal Spitzenalpinisten fragen, warum am Everest häufiger als an anderen Bergen gestorben wird und warum auf diese Weise gestorben wird. 

Denn immer wieder sterben dort Bergsteiger, weil sie sich selbst überschätzen und oft nach dem Gipfelerfolg nicht mehr vom Berg herunter kommen. 

Zwölf Jahre, nachdem ich so viele Dinge an diesem Berg beobachtet hatte, schrieb ich das Vorwort für ein Buch mit dem Titel "Der höchste Berg - Traum und Albtraum Everest".

Dieses Vorwort beginnt so: 


Die Geschichte des Mount Everest ist voller Leben. Sie ist aber auch voller Sterben. Und sie ist umfangreich. Ich glaube, man muss die Historie ein wenig befühlen, bevor man verstehen kann, was sich dort heute in einer Höhe abspielt, in der den meisten Menschen der Tod viel näher kommt, als ihnen lieb ist. Die Dinge am Everest sind gewachsen. Bis Ende 2012 wurde der Gipfel 6176 Mal bestiegen – von 3680 Menschen. Deutlich mehr als 200 kamen dabei ums Leben. Es gibt viele Geschichten von diesem Berg. Einige davon werden in diesem Buch dargestellt. Es gibt Kurioses und Skurriles zu erzählen, Tragisches und sogar Komisches zu berichten. Der Tod zwischen Fels und Eis aber überschattet vieles, wenn nicht gar alles.

 

Um zu verstehen, was auf dem Mount Everest vor sich geht, muss man nicht auf dem Gipfel gewesen sein. Es reicht, zu beobachten und gut zuzuhören. Ich habe 2001 die gesamte Frühjahrssaison unter dem höchsten Berg verbracht, mehr als zwei Monate davon im Basislager. In so langer Zeit erlebt man viel.

 

Und ich wurde auf gewisse Weise Teil des Ganzen. Teil dieser riesigen Maschinerie, die Dreck und Müll produziert und eigentlich so gut wie nichts Vernünftiges entstehen lässt, inmitten eines Nationalparks. Und auch ich konnte mich bei aller selbstkritischen Betrachtung in dieser Zeit der Faszination dieses Berges nicht entziehen und ebenso nicht dem, was sich unter seinen Flanken tut. Dort wird eben nicht nur gestorben, sondern auch gelacht, und es werden Feste gefeiert. Auch Freundschaften werden geschlossen, die oft stabiler sind als viele andere, die im Tal entstehen und sich so leicht verflüchtigen. 

Später war ich wieder da. Geändert hatte sich nichts. 2012 reifte in mir der Entschluss, ein Buch über den Mount Everest zu schreiben, die Historie nachzuerzählen und einmal zu ergründen, warum die Dinge heute so sind, wie sie sind.


Warum es an einem Berg einen Stau geben kann und warum Menschen vergebens darum flehen, weiterleben zu dürfen. Und schließlich gelang es mir, elf Bergsteiger in diesem Buch zu vereinen, die mit mir ihre eigene Besteigung noch einmal erlebten. Die mich mitnahmen auf diese abenteuerliche Reise in grandiose Höhen, die mich so sehr fesselten, dass ich oft das Gefühl hatte, selbst ganz atemlos zu werden.


Ich traf Gerlinde Kaltenbrunner und ihren Mann Ralf Dujmovits an einem glühend heißen Sommertag in ihrem Haus in Bühl im Schwarzwald, Peter Habeler im Zillertal, Norbert Joos in Chur und Kurt Diemberger daheim in Bologna. Zu Hans Kammerlander hatte ich es nicht weit, wir sind fast Nachbarn. Simone Moro lud mich in seine Wohnung nach Bozen ein, und Pemba Nurbu traf ich in der Gegend, der dieses Buch gewidmet ist – am Fuß des Mount Everest.


Russell Brice und Billi Bierling traf ich gar nicht, weil sie zu Expeditionen am Manaslu und am Makalu unterwegs waren und ich zu der Zeit eine kleine Trekkinggruppe zum Everest führte. Beide beantworten dennoch mit großer Geduld und schriftlich, was ich wissen wollte. Ganz zum Schluss fuhr ich zu Reinhold Messner in die Festungsmauern von Firmian in Südtirol. Für den Everest stünde er zur Verfügung, ließ er mich wissen, und es wurde sehr spannend beim bekanntesten Höhenbergsteiger der Welt.